aus dem amtlichen
Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung
Die Sprache südlich und östlich des
Ochsenkopfes, um die es sich hier dreht, ist ein Gemisch
von Egerländisch und Oberpfälzisch, für den Fremden
schwerer verständlich als das sprachverwandte
Oberbayrisch, jedoch besonders in Sachsen wohlbekannt.
Die Aufzeichnung stammt von J.
Herrmann, Oberwarmensteinach, und ist dem "Bayreuther
Land", 1929, Verlag C. Gießt, Bayreuth, entnommen.
"ls dees waua, daß a Kraua in
aran Gaua hiritan Aua a Schepperl Haua wachsen ko laua?"
Wer auf diese nur dem Einheimischen oder langjährigen
Kenner des heimischen Dialekts verständliche Frage
antwortet: Ja, dees is waua", der "kennt sie as
ban Strumpf", oder vielmehr in der Gegend am
Ochsenkopf, "wau ma nu sLia redd, wöi oin da
Schnobl gwachsen is". Ja, Bröiderl, dau moußt
deine Auawaschla schou gscheit aafmachen, daß d' unna
Sprauch vastäist; denn "mia senn mia und schreim
uns uns". Oda moinst, du kost es ibasetzn, wenn i da
wos af "obapfälza Franzesisch' sog?
"Mo, mah!" "Pada. mah du!"
"Mäht denn a Pada na? Mo. mah du!" (Mann mähe!"
"Pater, mäh du!" "Mäht denn ein Pater
auch? Mann, mähe du!")
Oder gaua (gar) unna"Egalanda
Chinesisch`!
- Schein dsun schoi, Zöi an dschou,
Gäi dsan fung Un dsaf zou.
- Gi dsan reng, Zöi dstif lan, Gäi
dsan fung, Saf wöi khan.
- Kum inau Ham fon fung,
SchimpftaswaiBi sta tschuck!
-
- Es erscheint mir schon dringend
notwendig, hier die "Übersetzung"
anzufügen:
- Scheint d' Sunn schöi, (Scheint
die Sonne schön,) Zöjh an d' Schou, (Zieh an
die Schuh,) Gäi zan Funk (Geh zum Funk) Und saff
zou. (Und sauf zu.)
- Gitts an Reng, (Gibt's einen Regen),
Zöih d' Stiefl on, (Zieh die Stiefel an), Gäih
zan Funk, (Geh zum Funk,) Saff wö i ko. (Sauf
wie ich kann.)
- Kumm i nau (Komm ich dann) Hamm
von Funk, (Heim vom Funk,) Schimpft as Wai: (Schimpft
das Weib:) Bist a Tschuck! (Bist eine Suckel.)
-
- Ja, mia ham nu an Humor. Heint nu
mou i lachn, wenn i an di letzta Schlachtschißl
heia in Fröihjaua denkMia sitzn grod sua schöi
bara Mauß Böja (Maß Bier) und ban
Schippfleisch und unna Freind Michl haut si ieba
d' Siedwirscht hergmacht. Af omal, wöi a grod
sua ra langa Läbawurscht asquäascht haut, saggt
a zan Wiert: "Du, Haris, dau is aa möiara
Kraut drin wöi Fleisch. Dau wenn ma d' Haut
oiadout, ko masn Karfreita essen. Draf da Wiert:"
Lau da song, haust ghäiert, wennst fei glabst,
daß d' ma Zeich oiasetzn konst, affa (dann)
biest am Hulzweg, du Halawachl, du damischer! Und
wennst dei Fotzn fier morng fröih aa glei
wullst, derfst as blauß song, du ..." Doch den
Michl rührt das nicht. in aller Seelenruhe fragt
er: "Du haust wull schon lang vo koin
Leichnwong möja assagschaut? Oda sool di ebba
morng d' Leichnfrau vo da Wänd oiakratzn?"
Die Lacher sind auf Michels Seite, und so ist der
"Streit" geschlichtet. Wos Gouts zan
Essn, dau senn mia ibahapts schaarf draf. Und
wenn man sonst hört: "Lieber etwas Gutes
und dafür nicht so viel", so heißt's bei
uns: "Löibar aweng bessa und dafir aweng möjera."
Braunfuchsen und a blinda Bröih (eine Art
Kartoffelklöße und saure Tunke mit Eiern, aber
ohne Fleisch), dau gäit nix drieba. Und
Benkstiezl (Kartoffelhefenklöße) oda gaua Köichla
(Krapfen)! Wos Bessas gitts neet. Sackvullamöll!
(Sack voll Mehl!) Oeitzt hält i as schännst
vagessn! Wöi dau öitzaramal jetzt einmal:
neulich) d' Schoustas-Christl ihran Altn sa Hemm
und ihra Firrtouch und a paar dasaüchta
Kinnakissazöichla zan Waschn awaikn (einweichen)
wollt, stöllts as Wannt in Boch ei; nau schauts
nau (nach) ihran Knialan eichi (hinein) und wöis
widar assi kummt und zan Hemm dar wul (hin will),
is des äiwiweit (ewigweit) oichi (hinunter)
gschwumma. Surundsalang hauts gsoucht. Des waar
da a wos gweest, wenns ihra Alte dafohan häit (erfahren
hätte). Der. häit ara amal d' Wauat (Wahrheit)
geigt; des is nämmli ko Leinana (Waschlappen).
"Ach, mou ma si plaung", haut dasell
gsagt un sie an Schwaaß haut ogwischt, wöi a si
sa sexts Knial assi haut. Ban Essn lau i mas ja
nu angöihi Oba halt ba da Arbat von fröiha
Morng bis in die sinkat Naacht! Bie ma na sa
Heeal (Härchen: bißchen) Wintahulz daham haut!
Dakaffn (erkaufen) ko ja a kloina Mensch
heintingstogs koins möja! Doi senn ja Naarn! Und
ba jedn Stöarla (Stecken), wau ma afledt (auflädt),
mou ein angst a bang sa, da Förschta oda sua ra
Laffa (Waldaufseher) kummt daher, Es gäiht ehm
nix iebara warma Stumm, hapsächle (hauptsächlich),
wemma aumds, sua zwischa finnza und siehast im
neet, aweng hunza göih macht. (Den Nachbarn
besuchen.) Suara Siezwal (Sitzweile) is oba halt
nimma sua schöi, wöi fröiha di Roggastumm (Rockenstube),
des hob i äierst fearnt (voriges Jahr) wieda
gseha, wöi unna nei Herwingsleit (Herbergs- oder
Mietleute, Mieter) as äierscht Maal dau gweest
senn- Döi gruslatn (gruseligen) Gschichtla von Häimannern
(Waldmann, der einem mit Heh und Hoh auf den Rücken
springt) und annern Siehadifier (sieh dich vor!)
waüß hat ko Gunga möja.
-
- No, as mou ja aa sua göih! Ober a
räächts Kreiz is doch öramal (manchmal) af da
Welt; da oi haut halt an Beitl und da anna hauts
Göld. Mit wos daß 's iech halt? No alawaal mit
da Händ.
- Abschließend sei noch auf die (einzige)
Ochsenkopflegende verwiesen- Sie hat
keinerlei (ernsthaften) Sagenbezug und wird wohl
in der Zeit der Spätromantik, womöglich auch
sogar erst im letzten Viertel des vorigen
Jahrhunderts, entstanden sein. (Hb. 126; BS.).
- Wie Schneeberg und Ochsenkopf
emporgewachsen sind
- Einst kam der Herr Jesus in unsere
Landschaft, die damals noch ganz flach war. Die
Menschen erkannten ihn nicht, da er wie ein armer
Handwerksbursche gekleidet war. Aber der Erdboden
freute sich ungemein, als er den Herrn sah. Als
dieser, von den Menschen enttäuscht, wieder
emporschwebte, rief die Erde: Herr, bleibe bei
uns!", heftete sich an seine Fußsohlen und
ließ sich emporziehen. Jedoch der Heiland lächelte
und sprach: "Bleibe, Erde, bis ich dich
heimhole!" In diesem Augenblick flog eine
weiße, leuchtende Wolke, die wie
frischgefallener Schnee aussah, heran und trennte
die Erde von den Füßen des Herrn. Die Erde
blieb aber hochgetürmt stehen, und glänzender
Schnee bedeckte sie. Die Menschen nannten die
Erhebung "Schneeberg". Den Teufel ärgerte
es, daß die Erde dem Herrn Jesus so anhänglich
war. Er stellte sich gegenüber dem Schneeberg
auf die Erde. Dann schwang er sich in die Lüfte,
um den Boden nachzuziehen und einen noch höheren
Berg aufsteigen zu lassen. Zunächst hängte sich
die Erde an den verkleideten Widersacher hin und
ließ sich etwas emportragen. Aber plötzlich
erkannte sie den Bösewicht und rief laut: "Ich
Ochsenkopf, ich gehe ja dem Falschen nach!"
Da wand der Zauber gebrochen, und der Teufel stürzte
sich fluchend in die Tiefe. Seitdem wurde dieser
niedrigere Berg "Ochsenkopf" geheißen.
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