aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung Die "Walen" oder"Venediger" Allgemeine Feststellungen Es existiert kaum ein Sagenbuch, in dem sie oder Geschichten von ihnen nicht aufgenommen wurden. Umstritten bleiben dabei allermeist ihre Vorhaben in den Bergen Deutschlands, Am zahlreichsten bekannt (nach den Quellen) sind die"Walen" im Zusammenhang mit dem Fichtelgebirge und hier wieder in der Gegend um den Ochsenkopf, dabei sowohl auf der Fichtelberger/Mehlmeisler Seite als auch (sogar vermehrt) in den Bereichen nördlich das Berges um Bischofsgrün. Nach ihrer Erscheinung und besondem nach ihrem Tun sind sie heute mehr oder minder zu Sagengestalten geworden, wenn auch ihr Vorhandensein im späten Mittelalter (bis herauf in die Zeit um 1500) nicht geleugnet werden kann. So findet sich die erste gedruckte Nachricht bei Caspar Brusch(ius) in dessen "Gründlicher Beschreibung des Fichtelbergs" 1542 (1. Ausgabe), die 1612 erreut übersehen und mit einem Register vermehrt zum zweiten Male erscheint " Es ist auch mit Golt, Silber, Eysen, und in summa allerley der besten Metallen, mit Schwefel und Quecksilber, aus welchen zweyen Stücken, doch alle andere Metal in den Gründen des Erdreichs durch die Sonnen kocht, gewirckt und gemacht werden, dieser Berg und gantz herumbligent Gegent, und Landschafft allen andern Ländern unnd Gegenten Teudschen Landes weit fürzuziehen, welches auch den von uns gelegenen Völckem, als Wahlen, Venedigern, Spaniern, unserer Land Kundschaft er, gantz wißlich und kündig ist, denn die pflegen sich zu berühmen, die Schätz unnd Reichthumb, so in das Teudschen Landes Gebürgen verborgen ligen, seind ihnen (so sie doch Frembdling sind) bekannter denn uns Teudschen selbst. So sind auch zum öfftermahl von unsern Leuten auf gemeltem Berg unnd seinen Gräntzen, dergleichen frembde Laut, als Zigeuner, Wahlen und Spanier gefunden worden, die dieses Bergs vnd des gantzen herumb gelegenen Lands Natur, Gelegenheit, und Reichthumb, außgespüret und erkundet, ja auch grosse Schatz von dannen mit sich weggeführet, Wolt Gott, die Diebe waren umb solche Untrew eingezogen und gestrafft worden, Daher thut auch das Sprichwort, das sich auch dergleichen Kundschaffer etwan haben hören und vernehmen lassen, nemlich, das man an und umb den Fichtelberg offt eine Kuh werffe mit eim Stein, der Stein sei aber besser denn die Kuhe. Damit sie auch wollen anzeigen, das groß mercklich Guth umb diesen Berg lige, Man hat auch in gemeltem Gebürg hin und wider Büchlein gefunden, Wahlisch, Frantzösisch, und auffs Niederlendisch Teudsch geschrieben, darinnen viel Ort beschrieben unnd anzeigt gewesen, an und bey welchen Bächlein man Goldt, ja auch Perlen und Edelgestein findet." Auch Pachelbel widmet in seiner Beschreibung des Fichtelberges" (1716) diesen seltsamen Männern und ihrem geheimer Tun einen eigenen Teil, "worinnen eigentlich dasjenige enthalten, was die Ausländer, nemlich Wallonen, Venetianer, Mailänder, Modeneser, ingleichen Brabander und Flandrer in ihren theils verboten und hernach gefundenen, theils aber ihnen abgenommenen Verzeichnüßen der fündigen Genfer auf, an und um den Fichtelberg; wie auch in Ober- und Nieder-Sachsen, am Hartz, in Böhmen, Bayern, Pfaltz und Voigtland etc. bemercket und beschrieben haben, insonderheit die Verkundschafftung der besagten Oerter des Venedigers Giovanni Carnero, Johann Schottens, des Gratiani Grundelli eines Venetianers, der sich achtzehn gantzer Jahre umb den Fichtelberg aufgehalten, und sein Verzeichnüß 1531 am Dienstag nach Galli aufgesetzet; item des Sebastian Verso eines Venedigers, wie auch drei anderer Unbenannter etc." Nach Hanika kamen diese Walen oder Venediger regelmäßig im Frühjahr aus ihrer Heimat ins Gebirge, nahmen bei einfachen Leuten Wohnung und suchten die Gewässer und alle Winkel des Gebirges nach bestimmten Gesteinen ab. Die unerfahrenen Einheimischen glaubten dabei, daß diese Fremden wohl nach Gold suchen müßten. Man sprach ihnen dazu besondere Kenntnisse, ja sogar Zauberkräfte zu. Im Herbst verschwanden sie wieder. Um sich vor Raubüberfällen zu sichern, verkleideten sie sich als Hausierer mit Hecheln, Mausefallen usw. und trugen die wertvolle Ausbeute auf ihrem Rücken in ihr Vaterland. Dort führten sie (angeblich mit dem Fichtelgebirgischen Golde) ein glänzendes Leben.Über diese Walen waren im Volke zahlreiche Überlieferungen im Umlauf. Oft begegnete man diesen meist kleinen Männlein mit spitzen Hüten in Wald und Flur. Der berühmte Wunsiedler Bürger Siegmund Wann (t 1469) hatte aus Venedig "eine geborene Wahlin" als seine Frau mit in die Heimat gebracht, von der es heißt, daß sie "der Alchemey hocherfahren, das Silber und Gold vom Zinn scheiden kundt". (Zapf) In dieser Kunst seien die Welschen den Deutschen noch hundert Jahre überlegen gewesen. In den 1530er Jahren schreibt der bayerische Historiker Aventin: "... gab es etlich künstlich Wahlen, die sich auf dem Gold vorstunden und dasselbig schaiden konnten, nachdem die Teutschen noch nit umb wisten zue gen." Die Walen schrieben ihre Erfahrungen und Erkenntnisse in eigens dazu geführten "Walenbücklein" auf, von denen tatsächlich einige (meist in Abschriften) erhalten sind. Dabei bezogen sich die Notizen keineswegs nur auf Gold- und Silberfunde. Denn wir wissen heute, daß gar manche Walen (Venediger, Mailänder u. a.) vorrangig wohl aus anderen Gründen ins Fichtelgebirge kamen. Allermeist handelte es sich um Erz,- oder Gesteinsucher, die im Dienste der Glasmanufakturen zu Murano oder Venedig standen und hier seltene, schmelzbare Farbsteine (wie Kobalt, Braunstein etc.) suchten, die für die dauerhafte Färbung von Gläsern und Kirchenfenstern erforderlich waren. Sie wurden wegen ihrer Seltenheit in Italien dort hoch (eben wie Gold) bezahlt. Lazarus Ercker von Schreckenfels, der Oberstbergmeister des Königreiches Böhmen, schreibt dazu: "Solche (Stein-)Körner haben gar kein Gold bei sich (auch nicht in eingeschlossener Form - wie die Leute glaubten), es werd auch keinß daraus gemacht, sondem durch die Landfahrer, in Italien und anderen Orten umb einen Lohn heimgetragen, als zu einem Zusatz, darauß schöne Farben und Schmeltz-Glaß gemacht werden. Welche Farben oder Schmeltz-Glaß man bey jhnen so hoch achte, und so Tewer verkauffe, als wenn es Gold wäre." Das älteste bekannte der bereits benannten "Walenbüchlein" ist aus Schlesien überliefert, es entstand 1470 mit Aufschreibungen über Steinfundstätten und gehörte einem Bergmann Antonius Wale. Er durchstreifte damals die schlesischen Gebirge nach Gold und Silber.Nach den Walenbüchlein waren die fündigen Örter durch besondere Zeichen kenntlich gemacht, die in Felsen oder Bäume eingehauen waren: ein, zwei oder drei Kreuze, stehend oder liegend, ein Drutten oder Kröttenfuß", ein "Stern mit fünf Ecken"- der Fünfstern oder das Pentagramma, oder ein "Entenfuß". Es sind dies also Zeichen, die in Volksglauben und Brauchtum als Bogens- oder Bannzeichen eine Rolle spielen. Öfter sind ein Kreis mit Mittelpunkt und ein Halbmond eingehauen, eindeutige Alchimistenzeichen für Gold (Sonne) bzw. Silber (Mond). Dazu gehört auch das Zeichen für Jupiter 94 (Zinn). Wenn es öfter heißt, es sei eine Pflugschar eingeschnitten oder eingehauen, so hat sich der unkundige Abschreiber des Walenbüchleins wohl dieses Zeichen so ausgedeutet. Manchmal ist von "einem Zeichen wie ein Buchstabe" oder "eine Hand" die Rede. Dieser "Buchstabe" ist sicher auch eines der Alchimistenzeichen. Hierher gehören auch das Dreieck = Feuer und der Stern = Salmiak. Eine Gruppe von Zeichen gehört der christlichen Vorstellungswelt an: ein Pilgerstab z. B. an einer großen steinernen Marter, ein Pilgrimstab mit einem Sack, das Angesicht Christi, ein Osterlämmlein, ein Kruzifix, ein Bischof, ein Mönch, ein Mönch mit einer Keilhaue auf dem Rücken, deren Spitze den Weg weist, oder ein Mönch, der mit dem Finger den Platz zeigt, an dem man gediegene Goldkörner findet.(nach Hanika u. a.)
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